Blauflesch

Die Blauflesch ist das Herz der ulmer heimstätte. Das Ensemble umfasst die Gebäude der Söflinger- Hammer- und Lindenstraße. Bis 1901 befanden sich an dieser Stelle die Festungsanlagen der „Blauflèche“. Im Ulmer Volksmund wurde dies in Blauflesch umgewandelt. Das Gebäudeensemble wurde durch den „Bau- und Sparverein der Württembergischen Staatsunterbeamten und Arbeiter der Verkehrsanstalten“ einem Vorgänger der ulmer heimstätte gebaut. Bis Februar 2002 beheimatete das Gebäude deren Geschäftsstelle.

Das Blauflesch-Quartier steht wie kaum ein anderes Gebäudeensemble für die Geschichte und Identität der ulmer heimstätte. Folgen wir der Blauflesch durch ihre Geschichte.

Nach nur zehn Monaten Bauzeit konnten 72 Wohnungen, eine Gastwirtschaft mit einem nach Vorarlberger Vorbild gestalteten Schankraum, ein Gemischtwarenladen und eine Metzgerei im Dezember 1902 fertiggestellt werden. Jede Wohnung verfügte über eine Küche, Toilette und drei Zimmer zwischen 15 und 25 Quadratmetern. Die Wohneinheiten waren damit modern und großzügig ausgestattet.

Die Luftangriffe des 17. Dezember 1944 beschädigten die Blauflesch schwer. Einem Protokoll aus dieser Zeit entnehmen wir: „Tatsache ist, dass sämtliche Häuser in der 'Blauflesch' kein Dach mehr hatten, Fenster, Türen, Wände sahen katastrophal zerstört aus. Berge von Trümmern und Schutt lagen in den Höfen." Die Instandsetzungsarbeiten begannen unmittelbar nach Kriegsende.

In den 1950er Jahren wurde im ersten Stock der Blauflesch die Geschäftsstelle der ulmer heimstätte eingerichtet. Eine große Aufwertung gewann der Blaufleschblock durch die Sanierung und Neugestaltung des Innenhofes in den 1990er Jahren. In wahrer Millimeterarbeit wurden Bagger und Lastwagen durch die enge Zufahrt bugsiert und Tonnen an Schutt ausgefahren. Wo früher Autos parkten, spielen nun im Hof Kinder und treffen sich Mieter auf einen Plausch.

Im Januar 2002 endete das Kapitel der Blauflesch als Verwaltungssitz der Genossenschaft. Mit dem Umzug der Geschäftsstelle erfolgte eine umfangreiche Modernisierung des Gebäudes. Dabei wurden die Grundrisse der Wohnungen den gewandelten Ansprüchen angepasst und die Fassade teilweise rekonstruiert. So ist die Blauflesch – fast 120 Jahre nach ihrer Grundsteinlegung – aus der Geschichte und der Gegenwart der Genossenschaft nicht wegzudenken.

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