Viele Spuren führen auf die Insel

Was ist „gutes Wohnen?“ So unterschiedlich die Vorstellungen unserer Mieter davon sind, so kreativ sind diese in der Umsetzung ihrer Ideen. In der Serie „Ortstermin“ nehmen wir Einblick, diesmal beim Ehepaar Volkmann aus dem Nüblingweg 4.

Sherlock Holmes, der Meisterdetektiv, fände in dieser Wohnung eine hübsche Übungsaufgabe. Überall Spuren, die mit seiner Heimat zu tun haben. Auf den Kissen, die sorgsam drapiert sind auf dem Wohnzimmersofa, sticht dies erstmals förmlich ins Auge. Die Bezüge ziert der Union Jack, die Nationalflagge des Vereinigten Königreichs.
Jetzt gen Badezimmer geschlichen. Leise die Türe öffnen. Auf Überraschungen einstellen. Die Überraschung ins Blöckchen notieren. Big Ben! Unverkennbar, er ist’s! Auf dem Duschvorhang.
Im Gästezimmer könnte er sich erst einmal ablenken lassen durch einen kurzen Blick aus dem Fenster zum Hof. Falsche Fährte? Natürlich nicht. In diesem Raum ist das Bettzeug befallen. Ein Gast, der hier nächtigte, würde von London-Motiven förmlich umschlungen sein.

Kombiniere, die beiden pflegen im Dekor ihre Urlaubserinnerungen.
Daniela Volkmann winkt ab. Nö, auf der Insel seien sie noch nie gewesen. Wird das Rätsel hinter der nächsten, der letzten noch nicht geöffneten Türe, gelüftet? „Da können Sie jetzt nicht rein.“ Ein Wachsfigurenkabinett? Die Queen? Schon mal innerlich auf weitere Überraschungen einstellen. Nachhaken. Weil…, da seien gerade Easy drin und Mausi, ihre Katze und ihr Hund. Ein ungleiches, aber harmonisches Paar.

Barrierefrei geschnittene Räume

Reden wir über die Wohnung. Möbliert ist sie eher sparsam, aus einem einfachen Grund: Daniela Volkmann sitzt im Rollstuhl. Da wären zu viele Möbel bald nur noch Barrieren, welche die Bewegungsfreiheit einschränkten. Barrierefrei ausgestaltet, ist sie geradezu perfekt zugeschnitten auf die Mieterin, die wegen ihrer Behinderung in Frührente ist. Ihr Mann wiederum ist gleichzeitig ihr Pfleger.
Man muss sich die beiden trotz der Beeinträchtigungen als Menschen mit einer positiven Grundeinstellung vorstellen, und die Wohnung trägt dazu bei. Neubau, guter Schnitt, ruhig. „Toll“ sei auch die Nachbarschaft ringsum: „Wir fühlten uns richtig willkommen geheißen.“ Die Volkmanns revanchieren sich auf ihre Weise und nehmen häufig Pakete für abwesende Nachbarn an: „Manchmal fühlen wir uns wie als Paket-Station“, meinen sie dazu nur. Sie übernehmen das gerne.
Ein Gemälde im Wohnzimmer mit Bibelspruch lenkt das Gespräch in eine andere Richtung. Beide pflegen sie starke Bindungen zum freikirchlichen Christlichen Zentrum Ecclesia in der Weststadt, nehmen rege am dortigen Gemeindeleben teil, wann immer dies mit Rollstuhl möglich ist. Das Stadtleben ist ihnen ebenfalls wichtig, deshalb ihr Sonderlob für die Zentralität ihrer Wohnung.

Ein Sherlock Holmes würde natürlich noch weiter stöbern – und ach, sieh an, beim Fernseher eine weitere Spur entdecken. Er würde sich jetzt nicht abwimmeln lassen von der Erklärung, die Dekoration mit England-Motiven liege allein in ihrem „Style“ begründet. Offensichtlich eine Finte! Er würde finale Schlüsse ziehen aus dem Inhalt dieser DVD-Kassette, diesem Set aus Sherlock-Holmes-Verfilmungen. Und dann zielsicher zum Ergebnis gelangen: In dieser Wohnung leben Leute mit einem Faible für altmodische Detektivfiguren wie ihm.

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